Mit dem Berufsbildungsvalidierungs- und -digitalisierungsgesetz (BVaDiG) gibt es seit 2025 eine rechtliche Grundlage für ein neues Validierungsverfahren, um die informellen Berufskompetenzen von Menschen ohne Berufsabschluss bewerten und zertifizieren zu können.
In dem Verfahren wird bewertet, ob ihre jeweiligen Kompetenzen eine vollständige, überwiegende oder teilweise Vergleichbarkeit mit einem formalen Berufsabschluss darstellen. Auf dieser Basis wird dann ein Validierungszertifikat von der Industrie- und Handelskammer ausgestellt.
Teilnehmer:innen des Verfahrens – z. B. An- und ungelernte Helfer:innen, Zugewanderte, Quereinsteiger:innen – erhalten damit eine Bescheinigung ihres Könnens, die ihnen neue Wege zur beruflichen Entwicklung eröffnen soll.
In der Studie soll untersucht werden, inwieweit das BVaDiG diesen Anspruch einlösen kann. Dafür soll zunächst untersucht werden, wie sich das neue Validierungsverfahren von existierenden Kompetenzfeststellungsverfahren unterscheidet, welche Zielgruppen damit erreicht werden sollen und ob es für alle oder nur ausgesuchte Berufe durchgeführt werden kann. Kernpunkt der Studie ist die Frage, wie das BVaDiG im Land Bremen umgesetzt wird bzw. werden soll.
In Bezug auf die Ergebnisse der Validierungsverfahren soll zudem die Anschlussfähigkeit der Zertifikate in einer Weiterbildungskette beleuchtet werden. Wie geht es beispielsweise bei einer teilweisen Vergleichbarkeit weiter? Wie sehen Ergänzungsverfahren aus? Ergeben sich nach einer Validierung Verbesserungen bei der Beschäftigungssicherheit und den Entlohnungspositionen der Absolvent:innen?
Die Studie wird in einem Mix aus Sekundäranalysen und qualitativen Erhebungen durchgeführt. Zunächst werden bereits bestehende Verfahren zur beruflichen Validierung, deren Zulassungsvoraussetzungen und die Methoden zur Kompetenzfeststellung ausgewertet und skizziert. Daran anschließend wird das BVaDiG hinsichtlich der strukturellen Rahmenbedingungen (einbezogene Berufe, Umsetzungsverfahren, Akteure, Finanzierung etc.) analysiert. Des Weiteren soll die Rolle von Förderinstitutionen (z. B. Agentur für Arbeit) als Schnittstellen für finanzielle Förderung untersucht werden. In qualitativen Gesprächen mit Expert:innen aus Weiterbildung, Kammern, Gewerkschaften und Betriebsräten soll herausgearbeitet werden, welche Schnittstellen zum Weiterbildungssystem existieren und wie Interessent:innen erreicht, beraten und begleitet werden können.
Die Untersuchung der regionalen Umsetzungsstrukturen und -beziehungen zwischen allen Akteuren soll dazu beitragen, Hinweise für politische Handlungsempfehlungen zu erarbeiten, die zu einer Effektivierung des BVaDiG beitragen – um so die Potentiale für den Ausbau der Employability von Menschen ohne formalen Berufsabschluss zu heben.
Laufzeit:01. Januar 2026 - 31. Dezember 2026
Forschungsteam:Dr. Peter BlesesDipl. Sozialwiss. Andreas FriemerProjekttyp:Projekt der Arbeitnehmerkammer Bremen