Betriebliche Unterstützungsstrukturen: Wie sind die Arbeitsbedingungen zu gestalten, um Mitarbeiter*innen in der Pflege langfristig halten zu können? Betriebliche Unterstützungsstrukturen: Wie sind die Arbeitsbedingungen zu gestalten, um Mitarbeiter*innen in der Pflege langfristig halten zu können?

In Bremen hat die Gesundheitswirtschaft, zu der die stationäre Langzeitpflege gehört, eine besondere Bedeutung für die Wirtschaft. Mit Blick auf die sich ergebende Versorgungslücke aufgrund der zunehmenden Diskrepanz zwischen der steigenden Nachfrage nach und dem abnehmenden Angebot an Pflegekräften, erhält die Arbeitssituation der Pflegekräfte eine besondere Relevanz. Die Branche kämpft mit Personalmangel, hohen physischen wie auch insbesondere psychischen Arbeitsbelastungen und hohen Fehlzeiten aufgrund (langwieriger) psychischer Erkrankungen. Wenn gleich die Probleme komplex sind und nicht nur auf betrieblicher, sondern auch politischer und gesellschaftlicher Ebene begründet sind, so wurde bereits mehrfach wissenschaftlich belegt, dass Verbesserungen in der Arbeitsorganisation und –gestaltung bzw. das betriebliche Gesundheitsmanagement mit seinen drei Säulen Arbeits- und Gesundheitsschutz, betriebliches Eingliederungsmanagement und betriebliche Gesundheitsförderung wichtige Ansatzpunkte für eine Verbesserung der Arbeitssituation bieten. Gleichwohl verschlechtert sich die Situation aus Sicht der Pflegekräfte eher, als dass sie besser wird und die Dringlichkeit dieser Probleme nimmt mit den demographischen Entwicklungen zu. Es ist daher dringend notwendig auch auf betrieblicher Ebene stationärer Pflegeeinrichtungen die Arbeitsbedingungen und damit einhergehend die Arbeitssituation der Pflegekräfte zu verbessern.

In diesem Projekt soll untersucht werden, welche betrieblichen Unterstützungsstrukturen für eine gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung in Bremer Einrichtungen der stationären Langzeitpflege existieren bzw. inwiefern diese weiterentwickelt werden können, um bei Pflegekräften insbesondere psychische Arbeitsbelastungen zu reduzieren und psychischen Erkrankungen vorzubeugen. Mit Unterstützungsstrukturen sind beispielsweise betriebliche Maßnahmen gemeint, die auf der Ebene der Führungs-, Pausen- und Fehlerkultur ansetzen, oder die Gefährdungsbeurteilung als dialogorientierte Austauschräume gestaltet, wie auch Teambuildingmaßnahmen und Teamzusammensetzungen, um so auch die erwiesene gesundheitsförderliche Ressource soziale Unterstützung am Arbeitsplatz zu fördern.

Hierzu soll herausgearbeitet werden, wo aus den Perspektiven verschiedener Akteur*innen der stationären Langzeitpflege aktuell Möglichkeiten und Hemmnisse der Umsetzbarkeit von Ansätzen einer Reduktion psychischer Belastung auf betrieblicher Ebene liegen. Welche konkreten Ansatzpunkte werden von den überbetrieblichen Expert*innen, wie der Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, Arbeitsmediziner*innen, betrieblichen Mitarbeitervertretungen, aber auch Beschäftigten in der stationären Langzeitpflege, wie Einrichtungsleitung, Pflegedienstleitung und den Pflegekräften selbst, als am wichtigsten und am besten umsetzbar gesehen, um die psychische Belastung zu reduzieren? Welche Bedarfe sehen sie? Welche Ideen oder Angebote werden bereits umgesetzt? Wie werden die Angebote angenommen? Wo gibt es ungenutzte Gestaltungspotenziale und Möglichkeiten? Es soll die Möglichkeit der Umsetzbarkeit im betrieblichen Arbeitsalltag in den Vordergrund gestellt werden, als auch ein Augenmerk auf die Perspektive nachhaltiger Beschäftigungsfähigkeit der Pflegekräfte, deren Durchschnittsalter steigt (Initiative Neue Qualität der Arbeit [INQA], o. J.), gelegt werden, um einen früheren Ausstieg aus dem Beruf zu vermeiden und sie stattdessen langfristig im Beruf halten zu können (vgl. Hien, 2009).
Die Ergebnisse sollen konkrete Gestaltungsansätze aufzeigen, die sich in der betrieblichen Praxis umsetzen lassen, um sich den Herausforderungen stellen zu können. Zudem sollen sie Hinweise darauf geben, an welcher Stelle betriebliche Interessenvertretungen stärker gestaltend tätig werden könnten.

 



Laufzeit:
01. April 2020 - 31. März 2021

Forschungsteam:
PD Dr. rer. pol. Guido Becke, Dipl. Soz.-wiss
Cora Zenz, M.A. Public Health