Veranstaltungsort | Forum am Domshof Raum: Kassenhalle Domshof 26 28195 Bremen |
Uhrzeit | 16:00 Uhr |
Veranstaltungsreihe | Colloquium |
Arbeitszeitautonomie gilt als zentrale Ressource, um Anforderungen aus Erwerbsarbeit, Care-Arbeit und Freizeit zu vereinbaren und belastende Arbeitszeitphasen auszugleichen. Sie wird durch Arbeitszeitgesetz, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen gerahmt, bleibt im Zugang aber ungleich verteilt, nach Berufsklasse, Geschlecht und Qualifikation (Chung 2022; Lott and Chung 2016; Lyness et al. 2012; Jacobi et al. 2025). Betriebliche Barrieren erschweren zudem eine lebensphasenorientierte Nutzung (Klenner and Lott 2016).
Weniger erforscht ist, wie sich Arbeitszeitautonomie als individuelle Ressource über den Erwerbsverlauf entwickelt: Wer gewinnt sie, wer behält sie, wer verliert sie? Autonomie als strukturelles Ressourcenbündel verstanden, zeigt, wie sich diese über Positionen, institutionelle Logiken und individuelle Entscheidungen verfestigen kann, und ob kumulative Vor- und Nachteilen im Lebensverlauf (DiPrete and Eirich 2006) erkennbar werden.
Datengrundlage ist das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) mit zweijährigen Wellen von 2003 bis 2023 (abhängig Beschäftigte, 20 bis 65 Jahre). Hohe Arbeitszeitautonomie liegt bei Gleitzeit mit Arbeitszeitkonto oder selbstbestimmter Arbeitszeit vor. Analysiert werden Verläufe und Übergänge der Arbeitszeitregelung mit sequenz- und ereignisanalytischen Verfahren. Im Vordergrund steht dabei, ob frühe Phasen spätere Zugänge strukturieren und welche Übergänge als Weichenstellungen wirken. Erste Auswertungen deuten darauf hin, dass sich soziale Unterschiede nicht nur im Zugang, sondern vor allem im Erhalt von Arbeitszeitautonomie zeigen. Zeitautonomie wäre damit kein stabiles Berufsmerkmal, sondern ein sozial ungleich gesicherter Bestandteil der Erwerbsbiografie. Die Befunde sollen Anhaltspunkte liefern, wo eine lebensphasenorientierte Arbeitszeitgestaltung ansetzen kann.







