Vierteljahreshefte zur Arbeits- und Wirtschaftsforschung / Vol. 4, H. 2 (2027)
Herausgegeben von Mareike zum Felde (mareike.zumfelde@suub.uni-bremen.de); René Böhme (rene.boehme@uni-bremen.de) und Aleksandra Gawel (Aleksandra.Gawel@ue.poznan.pl)
Arbeitsmigration gehört zu den zentralen Themen aktueller arbeitsmarkt- und sozialpolitischer Debatten in Europa. Vor dem Hintergrund demografischer Veränderungen, struktureller Transformationen und wachsender Fachkräftebedarfe rückt die Zuwanderung von Arbeitskräften zunehmend in den Fokus wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischer Strategien. Gleichzeitig ist Migration jedoch nicht allein Ergebnis politischer Steuerung oder gezielter Rekrutierungsprogramme. Sie wird ebenso durch geopolitische Krisen, wirtschaftliche Ungleichheiten und Fluchtbewegungen geprägt, die neue Dynamiken der Arbeitsmigration hervorbringen. In vielen Fällen gehen Flucht- und Arbeitsmigration ineinander über, etwa wenn Geflüchtete nach ihrer Ankunft zunehmend in Arbeitsmärkte integriert werden.
Deutschland und Polen bieten für die Analyse dieser Entwicklungen einen besonders aufschlussreichen Vergleich, da beide Länder unterschiedliche historische Traditionen der Migration und migrationspolitischen Steuerung aufweisen. Während Deutschland seit den Anwerbeprogrammen der Nachkriegszeit schrittweise zu einem zentralen Zielland von Migration geworden ist, war Polen lange Zeit vor allem durch Auswanderung geprägt – insbesondere seit der EU-Osterweiterung im Jahr 2004.
In den vergangenen Jahren haben sich diese Rollen jedoch teilweise verschoben. Polen ist zunehmend selbst zu einem wichtigen Zielland von Migration geworden, insbesondere für Arbeitskräfte aus der Ukraine und anderen ost-europäischen Staaten. Die russische Invasion der Ukraine im Jahr 2022 hat diese Entwicklung nochmals erheblich verstärkt und die enge Verschränkung von Fluchtmigration und Arbeitsmarktintegration sichtbar gemacht. Parallel dazu verfolgt Deutschland eine aktivere Politik zur Gewinnung internationaler Fachkräfte. Zugleich sind migrationspolitische Debatten und Reformen in den letzten Jahren stärker von Fragen der Begrenzung, Steuerung und Regulierung von Migration geprägt. Beide Länder stehen damit vor ähnlichen Herausforderungen: der Integration zugewanderter Menschen in Arbeitsmärkte, Institutionen und gesellschaftliche Strukturen – allerdings unter unterschiedlichen institutionellen und politischen Rahmenbedingungen.
Vor diesem Hintergrund widmet sich dieses Themenheft der Analyse von Arbeitsmigration und Arbeitsmarktintegration im deutsch-polnischen Vergleich. Im Zentrum stehen institutionelle Rahmenbedingungen, arbeitsmarkt-politische Strategien, unternehmerische Rekrutierungspraktiken sowie die Erfahrungen und Handlungsspielräume von Migrant:innen selbst. Ziel des Themenheftes ist es, durch empirische Analysen, vergleichende Perspektiven und theoretische Reflexionen zu einem besseren Verständnis der Bedingungen gelingender Arbeitsmarktintegration in unterschiedlichen institutionellen Kontexten beizutragen. Der deutsch-polnische Vergleich soll dabei nicht nur Unterschiede und Gemeinsamkeiten sichtbar machen, sondern auch Ansatzpunkte für wechselseitige Lernprozesse
und für die Weiterentwicklung migrations- und arbeitsmarktpolitischer Strategien aufzeigen.
Beiträge können sich insbesondere mit folgenden Fragen befassen (die Liste ist nicht abschließend). Willkommen sind dabei sowohl Analysen zur Situation in Deutschland oder Polen als auch Arbeiten, die eine explizit vergleichende Perspektive einnehmen:
- Begriffliche und konzeptionelle Fragen: Wie wird Arbeitsmigration definiert und von anderen Migrationsformen – insbesondere Fluchtmigration – abgegrenzt? Wie lässt sich erfolgreiche Arbeitsmarktintegration messen und operationalisieren?
- Arbeitsmarktintegration im Vergleich: Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten zeigen sich in den Integrationsverläufen von Migrant:innen in Deutschland und Polen?
- Branchenspezifische Dynamiken: Wie unterscheiden sich Arbeitsbedingungen, Beschäftigungsformen und Integrationschancen von Migrant:innen in verschiedenen Wirtschaftssektoren?
- Unternehmensstrategien und Arbeitskräftenachfrage: Welche Motive und Strategien verfolgen Unternehmen bei der Rekrutierung migrantischer Arbeitskräfte?
- Anerkennung und Nutzung von Qualifikationen: Welche institutionellen und praktischen Hürden bestehen bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse und Qualifikationen?
- Geschlecht und soziale Ungleichheiten: Welche Rolle spielen Geschlecht, Qualifikation oder Herkunfts-
region für Arbeitsmarktchancen und berufliche Mobilität? - Perspektiven von Migrant:innen: Wie erleben Migrant:innen selbst ihre Arbeitsmarktintegration und welche Strategien entwickeln sie im Umgang mit strukturellen Barrieren?
- Politische Diskurse und migrationspolitische Steuerung: Wie prägen nationale Narrative und politische
Debatten die Gestaltung von Arbeitsmigrations- und Integrationspolitik? - Institutionelle und arbeitsmarktpolitische Anpassungsprozesse: Wie reagieren Arbeitsmarktinstitutionen, Wohlfahrtsstaaten und politische Akteure auf zunehmende Arbeitsmigration?
Einreichung von Beiträgen
Autorinnen und Autoren, die einen Beitrag zu diesem Themenheft einreichen möchten, werden gebeten, eine kurze Skizze ihres geplanten Beitrags (ca. eine halbe Seite) möglichst bald, spätestens jedoch bis zum 15.08.2026, an die Herausgebenden sowie an die Redaktion der VAW (vaw@uni-bremen.de) zu senden. Eine Rückmeldung erfolgt innerhalb von drei Wochen.
Wir akzeptieren Beiträge in deutscher oder englischer Sprache. Die fertigen Manuskripte sollen eine Länge von maximal 40.000 Zeichen nicht überschreiten und sind in der Erstfassung bis zum 15.01.2027 einzureichen. Anschließend folgt ein maximal zweistufiger Peer-Review- und Überarbeitungsprozess. Beiträge können ausschließlich im Word-Format eingereicht werden. Abbildungen sind als separate Dateien in reproduktionsfähiger Qualität bereitzustellen.
Der Themenband der Vierteljahreshefte zur Arbeits- und Wirtschaftsforschung (VAW) ist für Juni 2027 geplant.
Zu den Vierteljahresheften zur Arbeits- und Wirtschaftsforschung (VAW)
Die Vierteljahreshefte zur Arbeits- und Wirtschaftsforschung (VAW)
https://www.duncker-humblot.de/zeitschrift/vierteljahreshefte-zur-arbeits-und-wirtschaftsforschung-vaw-30 greifen aktuell wichtige Themen der Wirtschaftspolitik sowie der Arbeitsmarktentwicklung, auf und beleuchten sie aus einer angewandt wissenschaftlichen Perspektive.
Dieser Leitidee verpflichtet, bündeln die VAW die Analysen der anwendungsorientierten Forschung zu arbeits- und wirtschaftspolitischen »Baustellen« sowie zu zentralen Zukunftsfragen in einem Themenband. Deutschsprachige und internationale Forscherinnen und Forscher kommen zu Wort. Neben der Anwendungs- und Praxisorientierung sieht sich die Zeitschrift auch den Zielen von Pluralität, Wissenstransfer und Relevanz verpflichtet. In der Tradition der früheren Vierteljahreshefte zur Wirtschaftsforschung stehend, zielen die Vierteljahreshefte zur Arbeits- und Wirtschaftsforschung (VAW) darauf, Orientierungshilfe zu komplexen wirtschaftspolitischen Themen zu geben.
Arbeitsbezogene Thematiken wie Arbeitskraftnachfrage, Aus- und Weiterbildung oder auch spezifische Aspekte der Personalpolitik werden dabei ebenso betrachtet, wie Finanz- und Transformationsthemen. Auch in Zukunft ist es das Ziel, in den genannten Bereichen neue Perspektiven und praxisorientierte Lösungsoptionen aufzuzeigen.
Ein besonderer Anreiz für die Publikation in der VAW ist für einige vielleicht auch, dass sie Dank der Förderung der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft seit 2025 im Diamant Open Access erscheint. Damit entstehen den Autor:innen keine Kosten und für Leser:innen sind die Artikel frei verfügbar.














